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MÜLLER in Thailand – Großauftrag über 50 Nassfahrzeuge!

Von Dr. Volkwin Müller

Bangkok (meist übersetzt mit Stadt der Engel) ist seit 1782 die Hauptstadt des Königreichs Thailand und hat ca. 7 Millionen Einwohner im eigentlichen Stadtgebiet. In der gesamten Metropolregion leben offiziell über 12 Millionen Menschen. Die Stadt ist das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum Thailands mit Universitäten, Hochschulen, Palästen und über 400 buddhistischen Tempelanlagen und Klöstern sowie wichtigster Verkehrsknotenpunkt des Landes. Das Nationalmuseum in Bangkok ist das größte seiner Art in Südostasien.

Die Stadt liegt an der Nahtstelle der Indochinesischen und der Malaiischen Halbinsel am Chao-Phraya-Strom (was wörtlich übersetzt Mutter des Wassers heißt) und befindet sich nördlich des Golfs von Thailand durchschnittlich fünf Meter über dem Meeresspiegel. Die Metropole ist unterteilt in 50 Distrikte und diese weiter in 169 kleinere Bezirke.

Da sich Bangkok in der tropischen Klimazone befindet, beträgt die mittlere Tagestemperatur 35 Grad Celsius bei hoher Luftfeuchtigkeit. Die Hauptregenzeit ist während des Monsuns zwischen Mai und Oktober, wobei in einzelnen Stadtgebieten mit erheblichen Überschwemmungen gerechnet werden muss.

Bangkok ist zum Teil die Stadt der Kanäle oder das Venedig des Ostens. Die Stadt nutzt in einem dichten Netz Kanäle (Khlongs) als Verkehrsstraßen, teilweise existieren schwimmende Märkte auf dem Wasser.

Bangkok hat mit erheblichen Umweltproblemen zu kämpfen. Eine dichte Wolke aus Abgasen liegt permanent über der Stadt. Experten haben festgestellt, dass in den Hauptverkehrsstraßen die Luftverschmutzung bereits gesundheitsschädliche Werte erreicht hat. Probleme bereitet Bangkok auch die Wasserversorgung. So besitzt die Stadt kein zentrales Wasserversorgungsnetz. Auch der Aufbau eines Abwassersystems steht erst am Anfang. Bis in die 1990er Jahre leiteten die Industrie und private Haushalte das Abwasser zentral ohne jegliche Säuberung in den Fluss Chao Phraya. Wenn Express-Boote durch die Khlongs rauschen, ziehen Passagiere nicht selten die blau-weißen Schutzplanen an der Seite bis über den Kopf hoch, damit niemand Wasserspritzer abbekommt. Trotz der Hitze wäre das Nass keine Erfrischung, sondern eine potentielle Gefahr für die Gesundheit. Nicht selten sind die schmalen, idyllischen Kanäle eine übelriechende Brühe, gefüllt mit Müll, Fäkalien und Abwässern naher Betriebe und Krankenhäuser, weil ausreichende Kläranlagen fehlen. Von den Kanälen aus suppt es in den Chao Phraya-Fluss, der wiederum jährlich 900 000 Tonnen Giftstoffe in den Golf von Thailand leitet.

Da immer mehr Menschen in Thailands Metropole drängen, beschäftigt sich die Stadtregierung von Bangkok intensiver als bisher mit der Frage, wie ein menschenwürdiges Leben in der Metropole gesichert werden kann. Antworten sucht man bei westlichen Experten aus Wissenschaft und Industrie. Auch der Einsatz deutscher Umwelt- und Entsorgungstechnik trägt zur Lösung der Umweltprobleme in Bangkok bei.

Auch MÜLLER gehört zu einer Expertengruppe, welche an Lösungsansätzen zur Beseitigung der Abwasserprobleme mitarbeitet. Nach langen Beratungen bestand für die Stadt Bangkok eine Teillösung der Abwasserprobleme in der Anschaffung von jeweils einem Nassfahrzeug für jeden der 50 o.g. Distrikte der Stadt.

Im Rahmen eines für die europäische Nassabfallszene einmaligen Großauftrages liefert das Haus MÜLLER insgesamt 50 Saugfahrzeuge des Typs VACUMASTER F 100 EH und des Typs VACUMASTER F 140 EH in drei Losen nach Bangkok. Der Transport der Fahrzeuge erfolgt per Schiff über Hamburg, dem Atlantik an Frankreich vorbei, durch die Meeresenge von Gibraltar, an Lybien vorbei durch den Suezkanal und dann unterhalb von Indien in Richtung Singapore, wo die Aufbauten umgeladen werden, um dann schließlich wiederum per Schiff bis in den thailändischen Hafen Klong Toey zu gelangen. Die Schiffsreise der MÜLLER-Aufbauten dauert insgesamt sechs Wochen.

Einzigartig an diesem Auftrag ist nicht nur die hohe Stückzahl an Fahrzeugen, sondern besonders auch die Tatsache, dass MÜLLER die Endmontage sämtlicher Aufbauten erst vor Ort mit eigenen Mitarbeitern und Mitarbeitern des thailändischen Partners durchzuführen hat. Unter belastenden klimatischen Bedingungen wurden bereits 30 MÜLLER-Aufbauten unter der Leitung und Betreuung unseres erfahrenen Chefauslieferers Winfried Roebers sowie des Vorarbeiters Jens Rheker am Stadtrand von Bangkok montiert. Vier der Aufbauten wurden auf Mercedes-Benz-Chassis vom Typ ACTROS, Modell 2636 K 6X4 montiert. Alle weiteren Aufbauten wurden auf Wunsch des thailändischen Kunden auf Fahrgestellen des schwedischen Herstellers Volvo, Modell FH 6X4 Long Cab, 360 HP, aufgebaut. Auch die weitere Montage der noch verbleibenden 26 VACUMASTER erfolgt auf Fahrgestellen von Volvo.

Neben der komplexen Anforderung, jeglichem Termindruck sowie der hohen Qualitätsanforderung des Kunden standhalten zu müssen, stellt dieser Auftrag eine außerordentliche logistische Herausforderung dar, die von den MÜLLER-Mitarbeitern im Werk Schwalenberg sowie vor Ort in Thailand in Verbindung mit dem thailändischen Partner durch eine vorbildliche Teamarbeit bewältigt wird. Einmal mehr zahlt sich deutsche Gründlichkeit in Kombination mit der asiatischen Weisheit „In der Ruhe liegt die Kraft“ in hohem Maße aus. Allerdings ist ein solches Geschäft auch nicht ohne langjährig gewachsene Geschäftsbeziehungen und einen zuverlässigen Partner vor Ort durchführbar, den die Fa. River Engineering in Bangkok schon seit Jahren für das Haus MÜLLER darstellt. MÜLLER dürfte spätestens durch diesen besonderen Auftrag im Bereich der Nassabfall-Entsorgungstechnik in der Spitze der weltweiten Champions-League angekommen sein.