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Gespräch mit Wolfgang Müller sen.

In dem idyllischen Ort Schwalenberg in Lippe entwickelte sich die Firma Müller Umwelttechnik zum Marktführer fur Nassabfall-Entsorgungsfahrzeuge in Deutschland. Inzwischen ist die dritte Generation der Familie Müller in die Leitung des Unternehmens eingestiegen. Müller Umwelttechnik hat aber noch höhere Ziele: Mit seinen hoch technisierten Produkten, darunter viele Sonder- und Einzelanfertigungen, will das Unternehmen ein führender Lieferant für Nassabfalltechnik in Europa werden.

Ohne qualifiziertes Personal geht das nicht. Schon fier die Kundenberatung ist man auf kompetente Leute angewiesen. Außerdem will Müller mit weiteren Innovationen punkten. Wolfgang Müller sen., von Haus aus Diplomingenieur, hat das erkannt. Er setzt deshalb seinen Arbeitsschwerpunkt auf die Personalentwicklung. Insbesondere kümmert er sich um die Aus- und Weiterbildung im Unternehmen. Im Gespräch mit Regina Müller IHK Lippe, macht Wolfgang Müller deutlich, warum ohne Weiterbildung nichts geht. 

IHK: Herr Müller, ihr Unternehmen kann aul eine erfolgreiche Geschichte zurückblicken. Sie schauen aber lieber in die Zukunft und haben deshalb die Personalentwicklung und damit die Weiterbildung auf Ihre Fahnen geschrieben. Wie wichtig ist das für ihr Unternehmen?

MÜLLER: Die Aus- und Weiterhildung unserer Mitarbeiter/-innen ist ein strategisch wichtiger Erfolgsfaktor. Wir verwirklichen in unseren Kommunalfahrzeugen fast die ganze Bandbreite der industriellen Ttechnik wie Stahlbau, Schweißtechnik, Montage, Mechanische Bearbeitung, Hydraulik, Pneumatik, Elektrik-Elektronik, Vakuumtechnik, Hochdrucktechnik, Verfahrenstechnik, Lackiertechnik etc. Die Komplexität unserer Produkte durch die gestiegenen Bedürfnisse unserer Kunden hat stark zugenommen. Da wir dafür auf dem Arbeitsmarkt unserer Region nicht das passende Personal finden, hat die Aus- und Weiterbildung unserer Mitarbeiter/-innen bei uns einen hohen Stellenwert.

IHK: Bei den technischen Innovationen sind Sie ganz vorn. Ist das nur eine Frage der Qualifikation?

MÜLLER: Technische Innovationen orientieren sich hei uns überwiegend an den Bedürfnissen unserer Kunden. Sie sind es, die uns durch ihre konkreten Wünsche und Vorstellungen anregen, innovative Lösungen zu entwickeln. Wir greifen diese Anregungen auf und setzen sie um, da uns die Zufriedenheit unserer Kunden besonders am Herzen liegt. Bei der Umsetzung von der Idee bis zum Produkt benötigen wir natürlich qualifiziertes Personal auf allen Ebenen.

IHK: Die besten Produkte nützen nichts, wenn sie nicht auch den Kunden erreichen. Was hat sich für Ihre Kundenbetreuer in den letzten Jahren geändert? Brauchen sie letzt andere Kompetenzen?

MÜLLER: Unsere Kunden setzen heute voraus, dass sich unsere Vertriebs-Mitarbeiter/-innen mit ihnen in fachlicher Hinsicht auf Augenhöhe austauschen können. Unsere Mitarbeiter dürfen sich also im Dialog mit unseren Kunden keine fachlichen Defizite leisten. Das gilt nicht nur für die umfangreiche Technik unserer Produkte, sondern zunehmend auch für die Anwendung in der Praxis. Dadurch werden unsere Verkäufer gezwungen, sich als Berater mit entsprechender technischer Fachkompetenz zu betätigen. Darüber hinaus müssen sie insbesondere über eine kommunikative Kompetenz verfügen, indem sie zuhören, den Bedarf ermitteln, präsentieren und den Nutzen unserer Produkte und Dienstleistungen darstellen können. Ohne eine permanente Weiterbildung ist das nicht machbar.

IHK: Welche persönlichen Kompetenzen müssen aus Ihrer Sicht heute Mitarbeiter/-innen mitbringen bzw. entwickeln?

MÜLLER: Wenn wir unsere Unternehmensziele erreichen wollen, sind neben der fachlichen Kompetenz unserer Mitarbeiter/-innen heute in zunehmendem Maße Tugenden wie positive Einstellung, Einsatzfreude, Flexibilität, Verantwortungsbewusstsein, Kreativität und Loyalität gefragt. Die Erfahrung lehrt uns, dass es immer schwieriger wird, Mitarbeiter/-innen dieser Güte zu finden.

IHK: Inwieweit ist Müller Umwelttechnik von den Entwicklungen in der Altersstruktur der Bevölkerung und damit der Belegschaft betroffen?

MÜLLER: Wir haben gerade in diesem Jahr einige wertvolle Mitarbeiter in den Ruhestand verabschieden müssen, da die Altersteilzeit das ermöglichte. Dadurch gingen uns wertvolle Erfahrungen und Fachkompetenz verloren, auf die wir bei unseren Produkten sehr stark angewiesen sind. Durch diese Abgänge sind wir gezwungen, die entstandenen Lücken durch die nachwachsende Mitarbeiter-Generation zu füllen. Ohne eine gezielte Aus- und Weiterbildung kann diese permanente Herausforderung nicht dauerhaft gelöst werden.

IHK: Die Ausbildung junger Menschen liegt Ihnen sehr am Herzen. Welche Erfahrungen machen Sie bezüglich der schulischen Voraussetzungen, die die Jugendlichen mitbringen für eine Ausbildung?

MÜLLER: Das hat sich in den letzten Jahren sehr verschlechtert. Ich hin als Ausbilder oft gezwungen, Defizite zu beheben und nicht vorhandene, elementare Grundkenntnisse z. B. in Mathematik, Physik etc. zu vermitteln, denn darauf baut der Lehrstoff unserer Ausbildung auf. Ich meine, dass die schulische Vorbereitung auf Ausbildung und Berufsleben nicht den Ansprüchen in der Wirtschaft genügt. Sinnvoll wäre auch die Aufnahme des Faches Wirtschaft in die Lehrplane, damit Lehrer und Schüler sich damit auseinander setzen können. Denn Deutschland lebt doch von der hoch entwickelten Wirtschaft und dem Export. 

IHK: Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter/ -innen zu kontinuierlichen Weiterbildungsanstrengungen?

MÜLLER: Unsere Anstrengungen bei der Aus- und Weiterbildung dienen dazu, unsere Mitarbeiter/-innen zu fördern, damit sich unser Unternehmen im Wettbewerb erfolgreich behaupten kann. Wenn uns das gelingt, können unsere Leute davon ausgehen, dass ihr Arbeitsplatz sicher ist, dass sie am positiven Entwicklungsprozess der Firma teilnehmen und sich dadurch für sie neue Entwicklungschancen eröffnen können.

IHK: Weiterbildung kostet Geld - keine Weiterbildung die Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsplätze. Engagiert sich auch Ihm Unternehmen finanziell zur Weiterentwicklung der Fachkräfte?

MÜLLER: Aus- und Weiterbildung ist eine Investition in Humankapital. Da wir in unserer Region so gut wie keine Chance haben, extern passendes Personal für unsere hohen Ansprüche zu finden, bleibt uns keine andere Wahl, als für den Nachwuchs selbst zu sorgen. Die Kosten dafür übernimmt unsere Firma. Wir bilden aber nicht nur selbst aus und weiter, sondern unterstützen auch externe Spezial- sowie Meister- und Technikerlehrgänge, die natürlich auch Kosten verursachen. Wir sehen das als eine sehr nützliche Zukunftsinvestition, die sich mittel- und langfristig rechnet. Ich freue mich, dass ich mich jetzt im "Rentenalter" auf diese Aufgabe konzentrieren kann.

IHK: Herr Müller, vielen Dank für das Gespräch.

 


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